Interview mit JAKOB MATSCHENZ
Du hast in deiner noch jungen Karriere fast immer jugendliche Rebellen gespielt. Wie ist es, auf einmal einen ganz normalen jungen Mann aus gutbürgerlichem Hause darzustellen?
Obwohl ich das wirklich sehr gerne mache, war das ehrlich gesagt eine befreiende Erfahrung… einmal nicht gegen die Elterngeneration rebellieren zu müssen, sondern einen Zivi und angehenden Medizinstudenten aus gutem Hause spielen zu dürfen. Seine beiden Eltern sind ja auch Mediziner, er hat ein gutes Verhältnis zu ihnen. Da ich selbst weder beim Bund noch Zivi war, hab ich mich vorher in einem betreuten Behindertenwohnheim in Berlin-Steglitz umgesehen. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, ob ich für diesen Job geeignet wäre. Mir ist das dort ziemlich an die Nieren gegangen… zu sehen, wie gut es mir geht und mit was für einem harten Schicksal viele dort zu kämpfen haben.
Wie war die Zusammenarbeit mit Regisseur Dietrich Brüggemann und deinen Kollegen Robert Gwisdek und Anna Brüggemann?
Er hat einem sehr viel Freiraum gelassen, man kann erst mal volles Risiko gehen und seine Ideen einbringen. Wir hatten viele Proben zusammen und ich konnte dann auch vor der Kamera viel ausprobieren. Dietrich weiß aber sehr genau, was er will und wenn man sich vergaloppiert hat, sagt er einem das auch sehr genau. Mit Anna und Robert haben wir die langen Dialogszenen im Auto durchprobiert. Trotzdem war es dann etwas ganz anderes, später zu dritt vor der Kamera zu stehen. Man muss dann noch mal nachjustieren, was machen die Kollegen und wie verhalte ich mich jetzt dazu.
Nicht nur Ben ist ja ein sehr eigenwilliger Typ, der seinen Zivi ziemlich herausfordert. Auch Robert Gwisdek macht als Schauspieler ja auch sehr eigenwillige Dinge. Wie schafft man es, gegen diese Dominanz anzuspielen?
Ich muss im Film ganz schön gegenhalten gegen Bens sarkastischen Humor. Er ist sehr selbstbewusst und ein sehr eigener Typ, aber ich als Zivi mit meiner beruflichen Verpflichtung weiß auch, dass ich da jetzt durch muss und halte dementsprechend dagegen. Wir lassen uns beide gegenseitig ganz schön auflaufen, während wir uns dadurch auch immer besser kennen lernen. Übersetzt auf meine schauspielerische Arbeit hieß das, dass ich immer genau gucken musste, was macht Robert jetzt gerade. Trotzdem habe ich versucht, bei mir zu bleiben und meine Duftmarken zu setzen, obwohl das Hauptaugenmerk bei ihm lag.
Robert hat mich wirklich sehr überrascht mit seiner Schauspielerei. Wie klar er beim Sprechen die Punkte gesetzt hat, wie eigenwillig er betont hat, hab ich oft nur gestaunt und gedacht „Ach so geht das also auch!“ Man kriegt einen völlig anderen Blick auf die Figur dadurch.
