Interview mit ANNA BRÜGGEMANN
Wie arbeitest du mit deinem Bruder beim Drehbuchschreiben zusammen?
Sehr eng. Wir entwickeln die Geschichte zusammen und denken uns die Figuren dazu aus, die wir auf eine Reise schicken, indem wir viel darüber reden und schreiben. Dann schreibt Dietrich die Dialoge und wir setzen uns wieder hin und diskutieren. Dabei gibt es eigentlich nie Streit, es ist ein sehr reger Austausch – mündlich wie schriftlich. Wir respektieren uns gegenseitig sehr, ich seine endgültige Vision vom Film und er meine Ideen und Gefühle zur Geschichte. Wenn wir unterschiedlicher Meinung sind, reden wir so lange, bis der mit den besseren Argumenten sich durchsetzt. Das klappt immer Wir haben dabei eine sehr unterschiedliche Art, mit Problemen umzugehen: Dietrich kontert mit Humor und ich bin die, die dahin geht, wo es weh tut… weil ich mir denke, danach ist man durch mit dem Thema. So ergänzen wir uns sehr gut, der eine lernt vom anderen.
Inwiefern profitiert diese Zusammenarbeit auch von deiner Erfahrung als Schauspielerin?
Ich lege die Psychologie unserer Figuren schon sehr gründlich an, denke viel über ihren Lebenshintergrund nach. Annika, die Musikstudentin zum Beispiel hat ihre Mutter mit 12 verloren. Ich habe mich gefragt, wie ist ihr Vater, hat sie ihre Mutter vermisst, wie denkt sie über ihr Beziehungsleben oder ihre Zukunft nach, nach welchen Kategorien ordnet sie die Menschen ihrer Umgebung ein. Das Irre ist ja, jeder Mensch hat sein eigenes Wertesystem und nimmt seine Umwelt völlig unterschiedlich war. Das ist ja auch das Tolle am Schauspielerberuf– das man sich für eine Zeit lang einen völlig neuen Blick auf die Welt überstreifen und sie so neu entdecken kann.
Wie war das, für deinen Bruder plötzlich vor der Kamera zu stehen?
Am Anfang hatte ich ziemliche Angst, mich ihm gegenüber nicht öffnen zu können. Dann hab ich begriffen, ich muss ihm einfach vertrauen. Und als ich das kapiert habe, wurde mir auch klar, wie sehr ich ihm wirklich vertrauen kann. Dietrich kennt Facetten von mir, die andere Regisseure von mir nicht kennen und deshalb konnte er diese dann auch sofort einfordern. Es war ein tolles Geben und Nehmen.
Wie war das, vor der Kamera in der Sexszene mit Ben zu spielen?
Wir wussten eigentlich vorher noch nicht, wie sie sein sollte. Klar war nur, sie sollte so wahrhaftig wie möglich erzählt werden, weil wir sonst die Figuren verlieren und ein Klischee abbilden würden. Obwohl ja alles schief geht, was nur schief gehen kann, sollte Annika sich auch nicht wieder anziehen, wir wollten schließlich in der Szene bleiben. Insofern habe ich mich durch die Figur und die Szene geschützt gefühlt. Und vor der Kamera habe ich mich dann auch noch nie so wenig nackt gefühlt wie in meiner ganzen Schauspielkarriere. Dietrich ist schließlich mein Bruder.
